Antikriegsdemontration 01.09.2026 – Mainz Kastel

Am 01.09.2026 besuchten unsere Genossen das nahe gelegene Mainz-Kastel. Zwar gehört es verwaltungstechnisch zu Wiesbaden, doch der Name gibt seine ursprünglichen Wurzeln Preis.

Direkt am Bahnhof traf man sich dieses Jahr wieder zur Antikriegsdemo. Besonders auffällig war die große Anzahl an jungen Menschen. Viele Teilnehmer berichteten, dass die Friedensdemos in den letzten Jahren vornehmlich von Menschen der 68er Bewegung besucht wurde.

Es waren diverse Gruppen vertreten, die mit Partei und Nationalfahnen unterdrückter Länder wie Palästina und Kuba auf sich aufmerksam machten. Neben den Wiesbadener, Mainzer und Frankfurter DKP-Genossen waren auch die Partei dieLinke sowie RKP und MLPD zugegen. In üblicher Manier wurde bei der MLPD eine Kleinzeitung verteilt und anschließend um Spende gebeten. Den Preis von 50 Cent war das kleine Blatt aber sicher wert.

Bei Ankunft wies uns ein weiterer Palästina-Fahnenträger darauf hin, dass möglicherweise keine Territorialflaggen erlaubt seien. Jedoch erfuhren wir nicht verlässlich, dass dem so wäre.

Direkt fiel auf, wie viele Menschen doch in kurzer Zeit und an einem Arbeitstag zusammen kamen. Es waren definitiv über 250 Leute, wenn nicht über 500. Genauere Zahlen müssen ggf. andere recherchieren.

Mit einer Kuba- und einer Palästina-Fahne waren die Wiesbadener jedenfalls gut vertreten. Interessanterweise wurden uns die Palästina-Flyer beinahe aus den Händen gerissen. Uns wurde auch von positiven Rückmeldungen anderer Demoteilnehmer zur Teilnahme der DKP an der Demo berichtet. „Sehr schön, dass es euch noch gibt.“

Vor dem Marsch begann die Demo mit einigen Kundgebungen, darunter einige aktuelle und ehemalige DGB- und Gewerkschaftsfunktionäre, unter ihnen Hartmut Bohrer.

Leider kann zur Eröffnungsrede eines uns nicht namentlich bekannten DGB-Funktionärs wenig Gutes gesagt werden. Noch ordentlich begonnen, verlor er sich schnell in „Putin bashing“ und Völkermord-Apologetik. Auch ließ er es sich nicht nehmen, neben „den Amis“ noch „andere diktatorische Regime“ anzuprangern, die er aber nicht namentlich nannte. Ein Schelm, wer böses dabei denkt, besonders während wir eine Kuba-Fahne vor ihn halten. Während er mit stimmlich erhobenem Zeigefinger bemerkte, dass man „Putins illegalen Angriffskrieg“ nicht kleinreden dürfe, seien doch keine ganzen Völker für solche Kriege verantwortlich zu machen wie zum Beispiel Israel. Ein Stöhnen war in den Reihen der Demonstanten zu hören.

Das jüdische Volk, welches er später auch als einziges zu den Opfern der deutschen Konzentrationslager verklärt, mit Israel gemein zu machen, hat uns dann doch sehr schockiert. Hier mussten wir dann kurz eingreifen und die Rolle der Kommunisten als erste Opfer in den Konzentrationslagern benennen, worauf er sofort die passende Relativierung mit „und die Sozialdemokraten“ parat hatte. „Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten.“ kommt einem da in den Sinn.

Dass die Sozialdemokraten in Deutschland nicht ansatzweise so sehr verfolgt wurden, wie die Kommunisten, ließ er dabei sicher nicht mit Absicht weg, hoffen wir. Dass 23 Millionen Sowiet-Bürger von den Nazis ermordet wurden, hat er sicherlich auch in keiner abwertenden Absicht weggelassen, hoffen wir. Seine Anprangerung der AfD konnte leider nicht mehr über die deutlich geschichtsrevisionistischen Tendenzen hinwegtäuschen.

Anschließend sprachen weitere Menschen, die viele wichtige Themen anbrachten, doch wir waren bereits tief in den Gesprächen mit den Aktivisten vertieft. Lediglich die Tatsache, dass die US-Armee die zu Naturhabitaten umfunktionierten alten Teile der Kasteler Army-Base wieder in Betrieb nehmen will. Hier finden wir also auch die Schnittmenge mit der Umweltbewegung, die wir Kommunisten so gerne suchen.

Insgesamt war die Demonstration ruhig, die Polizeipräsenz war winzig im Vergleich zur Palästina-Kundgebung am Wiesbadener Marktplatz die Woche davor, wo ein Polizist auf einen Aktivisten gezählt werden konnte. In Wiesbaden wurden wir sogar noch von der Polizei gefilmt, ohne unser Einverständnis gegeben zu haben.